Starke Nachfrage nach Fachkräften - Potenziale der EU-Zuwanderung zu wenig genutzt

EUmigra präsentiert Studienergebnisse über EU-Zuwanderung nach Sachsen-Anhalt

Zur Verbändeberatung der Integrationsbeauftragten am 1. September 2023 präsentierte die Fach- und Servicestelle EU-Migration in Sachsen-Anhalt der AGSA die Kernaussagen der kürzlich in ihrem Auftrag erschienenen MINOR-Grundlagenstudie „EU-Zuwanderung Sachsen-Anhalt. Bestandsaufnahme – Bedarfsanalyse – Perspektivabschätzung. Demografische Entwicklung, Bildungsteilhabe, Arbeitsmarktintegration“.

Unionsbürgerinnen und Unionsbürger verschlägt es überwiegend beschäftigungsbedingt in unser Bundesland. Die Zuwächse im Beschäftigungssektor zeigen sich auch in steigenden Zuwanderungszahlen aus Unionsländern (in den letzten zwölf Jahren haben sich die Zahlen Stand 2023 auf 41.225 Personen fast vervierfacht). Dennoch ist Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich noch weit abgeschlagen. Der Anteil von 1,8 % Unionsbürgerinnen und Unionsbürgern an der Gesamtbevölkerung Sachsen-Anhalts liegt weit hinter dem Anteil in den alten Bundesländern (7,9%) und selbst dem in den neuen Bundesländern (2,2%).

Lage in Sachsen-Anhalt

  • Drei Viertel der EU-(Netto-)Zugewanderten haben eine rumänische, bulgarische oder polnische Staatsbürgerschaft.
  • Unionsbürger*innen sind in den Landkreisen wesentlich stärker als in den kreisfreien Städten vertreten.
  • Unionsbürger*innen sind mit 69 % fast genauso häufig sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wie deutsche Staatsangehörige in Sachsen-Anhalt.
  • Die meisten sozialversicherungspflichtig beschäftigten Unionsbürgerinnen und Unionsbürger haben laut Aussage ihrer Arbeitgebenden einen Berufsabschluss.
  • Unionsbürger*innen in Sachsen-Anhalt sind überwiegend 25 bis 55 Jahre alt und damit wesentlich jünger als der fast 50jährige Durchschnitt der Landes-Bevölkerung.
  • Trotz guter Ausbildung ist der Anteil von EU-Arbeitnehmenden in Tätigkeiten mit Helferniveau mit 38,9 % (Stand 2022) fast dreimal so hoch wie bei deutschen Staatsangehörigen.
  • Die Abwanderungsbewegung ist sehr hoch, die Hälfte der Unionsbürger*innen verlässt durchschnittlich nach vier Jahren Sachsen-Anhalt wieder.

Die starke Nachfrage nach Fachkräften in Sachsen-Anhalt erfordert schnelles Handeln und Maßnahmen, die die Zuwanderung unterstützen und nachhaltig sichern.

Es braucht mehr Angebote für Unionsbürger*innen, die die Anerkennung der Berufsabschlüsse und den Spracherwerb erleichtern. Unterstützungsangebote sollten zielgerichteter und beschleunigter "matchen". Kurz: Es liegt noch viel Potenzial für die Fachkräftesicherung im Land brach. Eine Modellrechnung der Studie geht davon aus: Wenn Maßnahmen wie eine serviceorientiertere Willkommenskultur, beschleunigte berufliche Anerkennungsverfahren, arbeitszeitfreundliche Deutschkurse u.v.m. nur jede*n fünfte*n Unionsbürgerin für ein weiteres Verbleibjahr motivierten, könnten 16.470 Unionsbürgerinnen und Unionsbürger für den Arbeitsmarkt gewonnen werden.

Wir sollten aus den Fehlern während der Gastarbeiter-Zuwanderung lernen. Damals kamen und heute kommen Menschen zu uns, denen wir Integrationsangebote anbieten müssen.

Quellen:

https://www.eumigra.de/news/zwischen-nachholbedarf-und-aufholeffekten-eumigra-praesentiert-studienergebnisse-zur-eu-zuwanderung.html

https://www.eumigra.de/materialien-details/eu-migration-sachsen-anhalt-kurzfassung-der-grundlagenstudie.html

 

Zurück

Gefördert durch:
 
Logos der Förderer