Appell des „Runden Tisches für Zuwanderung und Integration, gegen Rassismus“ zum Landtagswahljahr 2026 in Sachsen-Anhalt

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Die AGSA als Mitglied des Runden Tisch für Zuwanderung und Integration gegen Rassismus in Sachsen-Anhalt unterstützt den Appell des Runden Tisches zum Wahljahr 2026.

Appell des „Runden Tisches für Zuwanderung und Integration, gegen Rassismus“ zum Landtagswahljahr 2026 in Sachsen-Anhalt

Im Hinblick auf die Landtagswahl 2026 ruft der Runde Tisch für Zuwanderung und Integration, gegen Rassismus zu einer sachlichen und menschenrechtsorientierten Migrationsdebatte in Sachsen-Anhalt auf. Seit über drei Jahrzehnten setzen wir uns gemeinsam mit unseren Mitgliedern für Solidarität mit Migrantinnen und Migranten, mit geflüchteten Menschen und für eine tolerante, vielfältige und weltoffene Gesellschaft ein – auch und gerade im Wahljahr 2026.

Der erste Monitoringbericht zum Stand der Zuwanderungs- und Integrationsprozesse in Sachsen-Anhalt (2017–2023) hat gezeigt, dass unser Bundesland für viele Menschen mit Migrationsgeschichte kein bevorzugter Lebens- und Arbeitsort ist – nur durch eine von Staat und Zivilgesellschaft gelebte Willkommenskultur wird es uns gelingen, Menschen aus dem Ausland zu überzeugen, nach Sachsen-Anhalt zu kommen und zu bleiben. Deutschland ist ein Einwanderungsland: Knapp 30 Prozent der Bevölkerung haben eine Einwanderungsgeschichte, in Sachsen-Anhalt sind es bei den Erwachsenen jedoch nur rund acht Prozent. Angesichts des demografischen Wandels ist unser Bundesland auf gelingende Zuwanderung angewiesen – der Zuwachs an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung geht seit Jahren im Wesentlichen auf migrantische Arbeitskräfte zurück.

Zugleich erleben wir täglich, wie das Engagement von Initiativen, Kommunen, Kirchen, Verbänden und vielen Einzelpersonen Integration trägt und Zusammenhalt stärkt. Vor diesem Hintergrund beobachten wir mit Sorge, dass Flucht und Migration im politischen und medialen Diskurs überbetont, emotional aufgeladen und zugespitzt werden – oft zulasten anderer zentraler Zukunftsaufgaben wie Bildung, Pflege, Daseinsvorsorge oder des sozialen Zusammenhalts. Dabei ist Integrationsarbeit zweifellos eine bedeutende gesellschaftliche Herausforderung, die langfristige Aufmerksamkeit, Ressourcen und gute Strukturen benötigt – jedoch keine Dramatisierung. Nur wenn diese Aufgaben realistisch, differenziert und lösungsorientiert betrachtet werden, können sie zum Gewinn für unser Bundesland werden.

Daher appellieren wir: Menschen mit Migrationsgeschichte, die hier leben und arbeiten, sind selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft und dürfen nicht ausgegrenzt werden. Rassismus darf keinen Platz haben.

Gleichzeitig fordern wir für das Wahljahr 2026 eine Migrationsdebatte, die sich an belastbaren Daten, menschenrechtlichen Standards und den praktischen Erfahrungen der Kommunen orientiert – nicht an Zuspitzung, Ängsten oder vereinfachenden Schuldzuweisungen. Wir brauchen einen sachlichen, offenen und respektvollen Diskurs, der realistische und gerechte Lösungen aufzeigt und an bereits erzielte Fortschritte anknüpft.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren in der Migrations- und Integrationspolitik wichtige Schritte unternommen – etwa mit dem Chancenaufenthaltsrecht, der Arbeits- und Fachkräfteeinwanderung, erweiterten Integrationsangeboten und Reformen im Staatsangehörigkeitsrecht. Diese Errungenschaften gilt es weiterzuentwickeln, getragen von einer gesamtgesellschaftlichen Haltung, die klar sagt: Einwanderung und Vielfalt sind ein Gewinn für unsere Gesellschaft.

Der „Runder Tisch für Zuwanderung und Integration, gegen Rassismus“ setzt sich ein für eine pragmatische Asyl- und Integrationspolitik, die sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte orientiert.

Es gilt, Sachsen-Anhalt als attraktiven Lebens- und Arbeitsort für Zuwanderungsinteressierte zu stärken und gleichzeitig der humanitären Verantwortung für Schutzsuchende gerecht zu werden. Flucht und Migration dürfen im Wahljahr 2026 nicht zum Spielball kurzfristiger Wahlkampftaktiken werden. Wir appellieren an alle im Landtag vertretenen Parteien, migrationspolitische Fragen nicht auf dem Rücken Schutzsuchender auszutragen, sondern verantwortungsvoll und lösungsorientiert zu behandeln.

Menschen, die aus Krisen- oder Kriegsgebieten zu uns kommen, brauchen Schutz, Unterstützung und einen transparenten Zugang zu Verfahren, die ihre Würde achten. Migration sichert Arbeits- und Fachkräfte, bereichert die Gesellschaft kulturell und fördert Innovation. Wir appellieren an Politik und Öffentlichkeit, Migration nicht als Belastung, sondern als Potenzial und Chance für unser Bundesland zu begreifen – insbesondere mit Blick darauf, dass die gesellschaftliche, demografische und wirtschaftliche Entwicklung Sachsen-Anhalts ohne Zuwanderung nicht denkbar ist.

Wir fordern alle politischen und gesellschaftlichen Verantwortungsträger auf, die Diskussion über eine gelingende Migrations- und Integrationspolitik menschenfreundlich und sachorientiert zu führen.

In unserer täglichen Arbeit sehen wir, wie wichtig die Wahrung von Menschenwürde, Schutzrechten und echter Teilhabe für geflüchtete Menschen ist. Diese Werte orientieren sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dürfen keinem politischen Kalkül geopfert werden. Der Runde Tisch stellt sich daher entschlossen gegen jede Form von Diskriminierung – jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben ohne Angst, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Sachsen-Anhalt braucht jetzt eine starke, mutige Zivilgesellschaft und Politik, die Demokratie aktiv schützt, verteidigt und stärkt. Die Landtagswahl 2026 ist eine Chance, ein klares Signal für Toleranz, Vielfalt und Zusammenhalt zu setzen.

Wir laden alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft ein, sich diesem Appell anzuschließen und gemeinsam mit uns für ein weltoffenes, gerechtes und starkes Sachsen-Anhalt einzutreten.

Hintergrund Runder Tisch

Im Jahr 1993 wurde der Runde Tisch gegen Ausländerfeindlichkeit in Sachsen-Anhalt als eine Initiative der christlichen Kirchen, der Synagogengemeinde zu Magdeburg und des Deutschen Gewerkschaftsbunds (Landesverbandes Sachsen-Anhalt) gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit gegründet. Seit der Zusammenschließung des Runden Tisches mit dem Bündnis für Zuwanderung und Integration in Sachsen-Anhalt 2017 führt er nun gestärkt unter dem Namen „Runder Tisch für Zuwanderung und Integration, gegen Rassismus“ seine Arbeit fort.

Der Runde Tisch organisiert seine Mitgliederversammlungen und Arbeitssitzungen als Besuche bzw. "Runde Tische vor Ort" und Reflexionen zu akuten Problemen ausländischer Bürger*innen und insbesondere geflüchteter Menschen in Sachsen-Anhalt. Ziele der Runden Tische vor Ort sind die Wahrnehmung von Defiziten, die Vermittlung von positiven Impulsen in der Öffentlichkeit und die praktische Lösung von Problemen. Dabei wird ein Dialog zwischen Zivilgesellschaft, staatlichen Behörden und kommunalen Verwaltungen angestrebt.

Die Schirmherrschaft des Gremiums übernahm in der Vergangenheit der*die Landtagspräsident*in von Sachsen-Anhalt, so nun auch Dr. Gunnar Schellenberger. Derzeit sind 28 Mitglieder am Runden Tisch vertreten.

Auf der Webseite des Rundes Tisches findet ihr alle Informationen.

www.rundertisch-sachsenanhalt.de

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